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Neue Steine liegen im Weg

Um euch einen kleinen Einblick zu geben, wie es Mohammad Haroon Faqiri mittlerweile ergeht, lassen wir ihn selber berichten:

Liebe FreundInnen, UnterstützerInnen, Interessierte,

ich, Mohammad Haroon, melde mich diesmal selber bei euch, um zu berichten, wie es mir im letzten Jahr ergangen ist und möchte mich zuallererst ganz herzlich für eure bisherige Unterstützung und Anteilnahme bedanken. Ich vermisse euch sehr und hoffe, dass ich irgendwann einmal wieder nach Österreich kommen und euch treffen kann!

Die erste Zeit in Deutschland war für mich sehr schlimm, ich hatte die ganze Zeit Panik, von der Polizei abgeholt und nach Österreich zurückgebracht zu werden. Nachdem ich Anfang 2021 endlich zum Asylverfahren zugelassen wurde, war meine Erleichterung groß. Allerdings musste ich noch lange Zeit im Flüchtlingscamp bleiben. Das Heim war sehr abgelegen, um in den nächsten Ort zu kommen, musste man fast eine Stunde Zeit mit dem Bus einplanen. Die Situation im Heim und meine immer noch ungewisse Situation waren so belastend für mich, dass ich mehrmals ins Krankenhaus musste. Ich habe zum Glück eine Therapeutin gefunden, die Gespräche mit ihr helfen mir sehr.

Auf eine Entscheidung im Asylverfahren muss ich immer noch warten und hoffe natürlich sehr, dass die Entscheidung diesmal positiv für mich ausgeht. Mein Antrag auf die Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Ausbildung wurde abgelehnt – einen Neuantrag kann ich erst wieder stellen, wenn mein Asylverfahren abgeschlossen ist.

Ich habe trotzdem im Herbst eine Ausbildung zum Pflegefachmann begonnen und durfte dafür nach Essen übersiedeln. Ich muss für die Ausbildung allerdings bis Ende Februar mindestens einen Abschluss von der 10. Schulstufe nachweisen, was ich über das Maturazeugnis aus Afghanistan könnte. Aber dieses Zeugnis muss erst durch die afghanischen Behörden bestätigt und von den deutschen Behörden anerkannt werden. Den Antrag habe ich bereits vor einem halben Jahr gestellt, aber wegen der Situation in Afghanistan befürchte ich, dass ich diese Anerkennung nicht mehr rechtzeitig erhalten werde.

Wenn ich das Zeugnis nicht bis Ende Februar bei der Ausbildungsstätte vorweisen kann, darf ich die Ausbildung zum Krankenpfleger nicht weitermachen. Mit meinem Pflichtschulabschluss aus Österreich könnte ich die Pflegehelferausbildung machen, allerdings muss auch dieses Zeugnis erst in Deutschland anerkannt werden. Das habe ich auch schon lange beantragt. Ich habe gedacht, dass das innerhalb der EU kein Problem sein kann. Österreich und Deutschland sind Nachbarn und sprechen dieselbe Sprache. Aber auch für diese Anerkennung brauchen die Behörden unglaublich viel Zeit, und ich habe sie noch nicht erhalten. Und ich fürchte, dass ich erst im Herbst diese Ausbildung machen kann. Was ich bis dahin machen kann, weiß ich noch nicht.

Ich könnte einen Arbeitgeber finden, damit ich in der Zwischenzeit Geld verdienen kann. Dieser müsste dafür eine Arbeitserlaubnis für mich beantragen. Aber wie ich gehört habe, braucht das Amt meistens so lange für die Genehmigung, dass die Arbeitgeber darauf nicht warten können oder wollen.

Gleichzeitig ist mein Ausweis, der immer nur befristetet ausgestellt wird, mittlerweile abgelaufen. Obwohl der Antrag auf Verlängerung schon lange gestellt ist, habe ich immer noch keine Verlängerung erhalten.

Das alleine wäre schon verwirrend und deprimierend genug, aber es geht noch weiter:

In Essen habe ich eine Wohnung gefunden und im Dezember beim zuständigen Amt den Antrag gestellt, damit ich privat wohnen darf und die Unterstützung für die Kaution erhalte. Das Amt hat erst Ende Jänner die Erlaubnis und die Zusage für die Kaution erteilt, einen Tag nach meinem Termin am Meldeamt – also zu spät für die offizielle Registrierung. Ich habe jetzt zwar seit 1. Februar einen Mietvertrag und bin in der Wohnung, ich kann mich aber erst Ende Feber dort offiziell anmelden, weil ich erst am 25. Feber wieder einen Termin am Meldeamt bekomme.

Bis dahin habe ich keine Meldeadresse. Und ohne Meldeadresse kann mir die Behörde den Ausweis nicht zustellen oder die Zeugnisse (falls ich sie bekommen würde). Das ist tatsächlich im Moment schwierig für mich und ich kann das alles wirklich nicht verstehen. Ich habe alles gemacht, was ich machen konnte. Alle sagen mir, dass in Deutschland die Behörden immer so lange für Anträge brauchen und man da nichts machen kann, außer abwarten. Auch von den MitarbeiterInnen der Beratungsstellen höre ich das. Aber das ist für mich wirklich schlimm, weil alle meine Pläne, Ziele und Hoffnungen wieder in Gefahr sind.

Während der Ausbildung bekomme ich monatlich insgesamt € 800,- von der Ausbildungsstätte. Davon muss ich die Miete in der Höhe von € 400,- monatlich und meine sonstigen Lebenshaltungskosten (Essen, Telefon, Strom, Internet, Bekleidung, Medikamente, Schulbücher, Busticket…) bezahlen, ich bekomme sonst keine weitere Unterstützung.

Wenn ich allerdings die Ausbildung abbrechen muss und nicht rechtzeitig eine Arbeitsgenehmigung bekomme, weiß ich nicht, wie es weitergehen soll. Werde ich vom Amt Unterstützung für die Wohnung und meinen Lebensunterhalt bekommen? Ich weiß es nicht. Ich kann aber auch nicht zurück ins Flüchtlingsheim, weil ich das nicht mehr aushalte.

Trotz allem habe ich meinen Humor und meinen Optimismus nicht verloren. Ich fühle mich in Essen wohl und habe hier auch Freunde. Die Freude darüber, endlich selbständig wohnen zu können, ist sehr groß. Und irgendwie wird es schon weitergehen, auch wenn ich nicht immer weiß, wie. Und manchmal bin ich echt verzweifelt. Aber dann denke ich wieder, dass es weitergehen muss.

Ich denke an euch, an Innsbruck und an die Berge und wünsche euch das Allerbeste, viel Glück und Gesundheit!

Herzlichst
Mohammad Haroon Faqiri

Wir als UnterstützerInnen können aus der Ferne nur versuchen, zumindest finanzielle Unterstützung für ihn zu sammeln – um zumindest eine Sorge zu verringern. Dazu steht unser Konto zur Verfügung:

MHF soll bleiben
AT81 1200 0100 2960 3551
Bank Austria

Wir ziehen den Hut vor seiner Ausdauer, seiner Zuversicht, seinem Durchhaltevermögen!

Vielen Dank für euer Interesse und eure Unterstützung!